Neues vom großen, schwarzen Hund

Aktualisiert: 4. Okt.



Gerade habe ich ein Video von J.P. Performance gesehen, dass mich irgendwie berührt hat. Jean-Pierre spricht darin über seine wiederkehrenden Depressionen.


Wer seine Videos kennt, weiß dass dieser Mann ein sehr erfolgreicher Selfmade-Unternehmer und Social Media Star ist. Er tunt mit seinem Unternehmen Autos, sehr professionell und hochwertig. Immer sehr konzentriert und analytisch und dabei extrem fröhlich, jederzeit mit einem kessen Spruch für jede Situation. So wie man sich einen Social Media Erfolgsmenschen eben vorstellt. Oberflächlich, spassorientiert und mit wenig Tiefgang, jenseits seines Themas.


Wie kann es dann sein, dass solch ein Mensch Depressionen hat und damit auch noch in die Öffentlichkeit geht? Macht das Sinn, ist das logisch? Passt das zu einem solchen Menschen?


Wenn wir unsere Schere im Kopf, unsere Vorurteile beiseite schieben, passt das sehr gut. Ein Mann aus bescheidenen Verhältnissen, der sich vom Automechaniker zum Tuningunternehmer mit Millionenumsätzen hochgearbeitet hat.


Wie es ihm wirklich geht, weiß freilich nur er. Aber ich neige dazu ihm seine Krankheit und seine Gefühle abzukaufen. Gerade so erfolgreiche Menschen wie JP leiden irgendwann plötzlich unter Gefühlen der Sinnlosigkeit, der Leere und stehen dann vor der "terminalen" Frage.


Sehr großer Erfolg und Depressionen gehen viel öfter Hand in Hand als viele Menschen glauben. Winston Churchill hat viele Besprechungen mit seinem Generalstab im Bett liegend abgehalten, weil er einfach nicht aufstehen konnte.


Er nannte seine Depressionen den "Grossen Schwarzen Hund", der in der Ecke sitzt und ihn anstarrt. Spätestens das Beispiel von der "englischen Bulldogge" Winston Churchill, der über Jahrzehnte hinweg maximal erfolgreich war, beweist, dass auch und gerade starke Menschen, nicht vor Depressionen gefeit sind. .


Gerade die Stärksten haben oft diesen "Soft Spot" irgendwo in ihrer Seele. Dass das um die 40 zum Vorschein kommt ist auch nicht ungewöhnlich. Zu diesem Zeitpunkt hat man als „Leistungsträger“ schon viel geschafft, die Sozialisierungsphase neigt sich dem Ende zu und man stellt sich die Frage „und nun? War's das? Haben sich die Träume meiner Kindheit und Jugend erfüllt? Oder bin ich vom Weg abgekommen und wenn ja, wie weit."


Diese Abrechnung mit dem bisherigen Leben, kann im Normalfall nicht mit einem eindeutigen und befriedigenden JA beantwortet werden. Denn die Realität ist meist irgendwie anders und selbst wenn man einen Großteil seiner Ziele erreicht hat, hat man sie oft auf eine andere Weise erreicht als gedacht oder das Glücksgefühl, dass man sich erträumt hat, ist anders oder es fehlt gar ganz. Mit dem Erreichten wachsen auch die Ansprüche an sich selbst, was den Erfolg und damit die Bewertung seines Selbst, massiv beeinflußen kann.


Dazu kommt, dass Erfolg wie eine Droge wirkt und in den gleichen Hirnarealen Kicks auslöst, wie Kokain, Heroin oder Meth. Und so entsteht über die Zeit eine Abhängigkeit nach diesen Erfolgs-Kicks. Aber leider wird die stimulierende Wirkung auch bei der Erfolgssucht, immer schwächer und hält kürzer an und braucht letztlich eine kontinuierliche Dosiserhöhung.


Das Problem ist, dass das im Normalfall auf Dauer nur sehr schwer realisierbar ist. Man kann den Erfolg nicht beliebig vermehren und auch nicht immer weiter so optimieren, dass man dauerhaft zufrieden ist. Ich persönlich denke inzwischen, dass diese Sucht nach Erfolg und die Kicks die dieser dann in uns auslöst, uns dabei hilft, mit der Erkenntnis unserer Endlichkeit zurecht zu kommen.


Der Übergang in eine neue Lebensphase, die nicht mehr von der Erfüllung der Jugendträume, dem immer größer werdenden Erfolg und dem Kick der Erfolgshormone als Droge lebt, ist nicht leicht. Gerade für Menschen die intelligent und erfolgsverwöhnt sind. Übrigens definiere ich Erfolg nicht zwingend als beruflichen Erfolg. Das gleiche kann "Ehrenamtlern", sozial stark engagierten Menschen oder "Familienmanagern" passieren!

Und dann kann sich der große schwarze Hund ins Zimmer der Seele schleichen und stellt mit seinem eisernen, kalten Blick, stumm die Frage nach dem Sinn des Ganzen - nach dem Sinn des Lebens in letzter Konsequenz.


Ich fand das Video von Jean-Pierre jedenfalls berührend und beeindruckend. In seinen Videos wirkt er immer wie ein harter Knochen, der ganz genau weiß wovon er spricht und keine Schwäche zeigt.


Deshalb wollte ich Euch dieses Video nicht vorenthalten.




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