• Olav Bouman

Der große schwarze Hund



… so nannte Winston Churchill seine Depression, die ihn in all den Jahren seiner Karriere begleitete. Er war einer der Macher und scheinbar Unbesiegbaren, die in stillen Stunden dem nagenden Selbstzweifel und der Hoffnungslosigkeit ihrer Depression ausgesetzt waren. Seine Marotte, sein Kriegskabinett über den neusten Stand berichten zu lassen, während er im Feldbett lag, war wohl eher dieser Depression geschuldet als seiner schrulligen Art.

Burnout bezeichnet eine verfahrene Situation, die kein Vor und kein Zurück mehr erlaubt und genauso in Hoffnungslosigkeit mündet, wie die Depression. Vor einiger Zeit haben zwei Angestellte einer internationalen Organisation keinen anderen Ausweg mehr gesehen, als sich das Leben zu nehmen. Die Umstände ließen den Schluss zu, dass die Arbeitsbedingungen einen Anteil an der Tragödie hatten (s. Kasten unten). Ist das ein Einzelfall? Gerade Menschen mit großer Hilfsbereitschaft und in sozialen Berufen sind anfällig für Burnout und Depressionen. Auch kommen Mobbing und ähnliche destruktive Prozesse gerne in Strukturen vor, die eine hohe Leistungsbereitschaft voraussetzen und in denen viele Menschen arbeiten, die bereit sind, alles zu geben. Am Ende meines regulären Berufslebens muss ich mir eingestehen, dass ich Ziel unzähliger „Mobbingattacken“ gewesen bin und unter dysfunktionalen Strukturen und überambitionierten Zielsetzungen gelitten habe. Ich hoffe, dass ich als „Leader“ möglichst wenige Menschen zu weit über die Grenzen ihrer persönlichen Leistungsfähigkeit geführt habe.

Die Meisten merken nicht, wann sie überfordert sind und wann sie andere überfordern. Druck ist für Erfolg unerlässlich und die wenigsten von uns erkennen, wann und vor allem wie lange unter Überdruck gehandelt wird. Ich bin mir jedoch sicher: Kaum jemand handelt aus bösem Willen. Aber was führt uns dann immer wieder in berufliche Situationen, bei denen wir selbst oder andere Schaden nehmen? Die Gründe sind meines Erachtens immer ähnlich. Eine hohe persönliche Leistungsbereitschaft trifft auf eine Kultur, die alles dem gemeinsamen Ziel unterordnet. Eine solche Kultur fördert auch ein hohes Maß an Konkurrenzdenken und -verhalten und damit einen Druck, dem sich kaum jemand entziehen kann, ohne zum Außenseiter zu werden. Das Ergebnis ist zwangsläufig das Verfallen in Verhaltensmuster, die ihren Ausdruck unter Anderem in Mobbing finden.

Wie gesagt: Ich bin überzeugt, dass sich die meisten Mobbenden ihres destruktiven Verhaltens nicht bewusst sind. Was also tun, um solche Verhältnisse zu vermeiden? Meine Laienmeinung: Führungskräfte aller Ebenen sollten grundsätzlich in Sachen gesundes Arbeitsklima, Leistungsanforderung und Mobbing geschult werden. Ich bin mir aber nicht sicher, ob man gute Führung in Kursen so vermitteln kann, dass die Führungsperson später in der überwiegenden Zahl der kritischen Situationen richtig handelt. Aber zumindest kommen wir so unserem Ziel näher, ein Arbeitsumfeld zu schaffen, in dem man gerne Leistung erbringt, ohne daran krank zu werden und Kolleginnen und Kollegen fertig machen zu müssen, um selbst zum Ziel zu gelangen.

Jeder und jede von uns muss die eigenen Grenzen erkennen und akzeptieren. Wenn das eigene Problem kein Gehör findet, muss man zu der Konsequenz bereit sein, die Situation und damit vielleicht den Job zu verlassen. Ganz zum Schluss stehen wir mit uns alleine da und müssen mit dem Ergebnis leben. Gut für den, der dann sagen kann: „Ich bereue wenig“.

Was hülfe es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewönne, und nähme an seiner Seele Schaden?

Markus 8,36







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