Das Ziel ist das Ziel

Erstveröffentlichung in FundStücke das Magazin des DFRV

Kurz nachdem ich mein Büro bei der Bensheimer CBM bezogen hatte, nahm mich mein Chef, Herbert G. Hassold, zur Seite und sagte mir, dass er mich beim IFC angemeldet hätte.

Es war das erste Mal das ich am IFC teilnahm und ich war fasziniert von der lockeren und offenen Atmosphäre. Herbert stellte mir sein, wie er es nannte, „Old Boys Network“ vor, das erstaunlicherweise entgegen der Bezeichnung überwiegend aus Frauen bestand. Neben den Deutschen „Networkern“ waren es meist Briten und Amerikaner, die er mir vorstellte.

Ich hatte in der Vergangenheit schon international gearbeitet. Also war es mir nicht fremd, in englischer Sprache mit Menschen aus anderen Kulturen zusammen zu arbeiten.

Und so fiel es mir auch nicht schwer schnell Kontakt zu finden, zum Old Boys Network und auch zu den damaligen „Youngstern“ der Branche. Kontakte die zum Teil bis heute Bestand haben und einige zu wirklichen Freundschaften wurden.

Den IFC besuchte ich von da an in jedem Jahr und ich verrate bestimmt kein Geheimnis, dass der wahre Erkenntnisgewinn dieser Veranstaltung nicht nur in den Master Classes und Workshops zu finden ist.

Gerade die „inoffiziellen“ Gespräche mit den anderen Teilnehmern, sind für mich immer wichtiger gewesen als das offizielle Programm.

Die amerikanischen und britischen Fundraiser waren damals den kontinentaleuropäischen Kollegen meist meilenweit voraus. Leider muss ich heute erkennen, dass dieser Abstand zwar geschrumpft ist, es aber immer noch einen Vorsprung der Angelsachsen gibt.

Wir können also von den internationalen Kollegen lernen und inzwischen diese auch von uns. Nicht nur denen aus den USA oder dem UK. Gerade die Kollegen aus Asien, Südamerika und Afrika holen mächtig auf. Und sie zeigen uns, das man einen neuen Fundraisingmarkt nicht nur auf eine Art aufbauen kann.

Wenn man sein Fundraising-Repertoire um frische Ideen bereichern möchte, muss man als Fundraiser über den Tellerrand des eigenen Landes hinaus schauen.

Der Grund für den immer noch vorhandenen Vorsprung der Angelsachsen liegt für mich nicht in „sophisticated techniques“ sondern in der „Attitude“!

Die Einstellung zum Fundraising, zur persönlichen Professionalität, zum Präsentieren und Ansprechen von Spendern auf jeglicher Ebene, ist eine komplett andere. Nach rund 25 Jahren in der internationalen Fundraisingszene muss ich leider konstatieren, dass die Briten und Amis einfach stärker „determined“ sind als die Kontinentaleuropäer, insbesondere die Deutschen. Die Niederländer bilden dabei eine Ausnahme als erfahrene Seefahrer und Handelsnation mit jahrhundertealten Erfahrungen mit anderen Kulturen. In Deutschland sind wir leider oft zu nachdenklich, unsicher, zweifelnd und risikoscheu. Für uns ist manchmal der Weg wichtiger als das Ziel. Ich habe oft erlebt, dass Mitarbeiter ein hervorragendes Ergebnis erzielt haben, aber dennoch grübelnd mit sich haderten, weil der Projektablauf nicht perfekt war. Das ist hinderlich und führt vom Weg ab.

Wir können im Kontakt mit Kollegen aus anderen Ländern viel lernen. Aber bitte nicht nur technisches. Wir sollen freilich keine Amerikaner oder Briten 1 zu 1 kopieren, aber etwas mehr Mut zum Risiko und zu ungewöhnlichen Wegen wünsche ich mir schon. Nicht nur von den Fundraisern, sondern auch und vor allem von den nächst höheren Ebenen bis hinauf in die Gremien.

Für mich ist nach all diesen Jahren im Fundraising immer mehr das Ziel das Ziel geworden und nicht der Weg. Zumindest zu 50%, denn ich bin zur Hälfte Niederländer.


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